ICH WILL TÄTOWIERER WERDEN!

Facts zum Beruf und rundum die Ausbildung

Viele sehen das Berufsbild des Tätowieres falsch. Sie glauben Tätowieren ist ein kreativer Lifestyle Beruf in dem man nicht viel Können muss, nicht viel zu tun hat, kein Fachwissen braucht und aber viel Geld verdient.

Diese Sichtweise ist absolut unrealistisch und man wird scheitern, wenn man solche Ansichten verfolgt.

In Österreich hat sich in den letzten 30 Jahren sehr viel geändert. Das Berufsbild, die Aufgabentätigkeit, die Anforderungen und das benötigte Fachwissen, sind heute nicht mehr vergleichbar mit den Standards vor 30 Jahren! Die heutige Tattoobranche Österreichs nahm ihren Anfang und entstand zu dieser Zeit.

  • Vor 1994 den Ärzten vorbehalten und in Ö verboten

  • 1994 Freies Gewerbe (Jeder konnte ohne jegliche Vorkenntnisse, Fachwissen/Hintergrundwissen, Ausbildung, Prüfung einen Gewerbeschein anmelden und tätowieren. Jedoch war man rechtlich nicht geschützt und konnte sich weder Haftpflicht, noch Rechtschutz oder Betriebsausfall Versichern)

  • 2003 Zuordnung zur Innung der Fußpfleger, Kosmetiker, Masseure FKM als Teilgewerbe, Änderung vom freien auf ein reglementiertes Gewerbe. Von nun an musste man einen Kurs im Außmaß von 97 Stunden mit gesetzlich (Zugangsvorraussetzungen/Gew. Verordnung) genau geregelten Inhalten besuchen und nachweisen, die Befähigungsprüfung Modul 1/2/3, sowie die Unternehmerprüfung Modul 4 ablegen und erst dann konnte man einen Gewerbeschein anmelden.

Um heute als Tätowierer arbeiten und Geld verdienen zu können, hat man einen langen, schweren, steinigen, kostspieligen Weg vor sich, wo man viel Einsatz und Motivation zeigen muss, jedoch nichts dafür bekommt sondern finanziell investieren muss. Man ist mindestens 1-2 Jahre in Ausbildung, bevor man was verdienen kann. Dies ist eine harte Zeit! Da eine Ausbildung zum Tätowierer in Ö nicht als eigenständige „Lehre“ geregelt, anerkannt und unterstützt wird ist man während der Ausbildung nicht nur finanziell auf sich alleine gestellt sondern auch was Equipment, Lernen, Weiterentwickeln, Üben und Fachwissen angeht und man bekommt weder Hilfe noch Unterstützung, Förderung oder sonst was geschenkt! Deshalb ist es sehr wichtig:

  • Unbedingt Eignungstest machen

  • Vorraussetzung zeichnerisches Können, Vorteilhaft: Hygienisches/Medizinisches Fachwissen, Unternehmerisches Fachwissen

  • Man muß ca 20 000.- bis 30 000 investieren bevor man verdient.

  • Regelmäßiges Üben (am besten tgl. 1 Tattoo) und Zeichnen (tgl. mind. 2 Stunden) muss möglich sein!

 

WAS WIRD VERLANGT:

  • Kursbesuch Wifi, BFI, X- Side, Div. StudiosKosten von 3000.- bis 8000.-

  • Praxis in einem Studio ( ca.Kosten pro Woche 500.-) Am besten Angemeldet-sehr schwer!

  • Eigene Ausrüstung (Maschine, Netzteil, Kabeln, Module/Nadeln+Grips, Sprühflasche ev. Kosten ca. 1500.- bis 2000.-

  • Befähigungsprüfung Modul 1/2/3: erst Möglich nach Kursbesuch und nach mind. 6-12 Monate Praxis in einem Studio (unbezahlt!- man muss vielleicht was bezahlen). Vorteilhaft wäre 1 Jahr angemeldet auf mind. 20 h/Woche nachweisen zu können. Der Nachteil ist, das es in dieser Branche keine Angestelltenverhältnisse gibt.

  • Modul 4 Unternehmerprüfung oder Nachweis über Unternehmerisches Fachwissen

SCHWIERIGKEITEN:

Warum gibt es keine Angestelltenverhältnisse in dieser Branche? Ist es abzocke wenn ich für ein Praktikum bezahlen muss?

  • Erklärung:

Die meisten Tätowierer sind Kleinstunternehmer oder Einzelunternehmer und können sich einen Angestellten zum ersten nicht Leisten und zum zweiten das Risiko eines Angestellten nicht tragen! Wenn ein Angestellter Tätowierer nur 600.- mtl. Ausbezahlt bekommt, kostet er den Unternehmer mit Anspruch auf Urlaubs und Weihnachtsgeld (Welches der Unternehmer nicht bekommt), der mtl. Lohnverrechnung, der Versicherung, Steuer, den Materialkosten und der Studio Platz/Stuhlmiete ca. 1800.- bis 2000.- mtl. dazu kommt noch bezahlter Krankenstand sowie Urlaub (den der Unternehmer ebenfalls nicht hat). Der Unternehmer trägt gewerberechtlich, das volle Risiko für seinen Angestellten! Ein Angestellter der 600.- verdient, müsste mind. einen Umsatz von mtl. 2500.- reinwirtschaften damit man auf der Sicheren Seite ist und darf ja nicht krank werden und wenn er seinen Urlaub nimmt muss man schon schauen das sich in diesen Monaten alles ausgeht! Als kleiner Unternehmer hat man es selbst nie so gut wie als Angestellter.